Zahl der getöteten Radfahrer steigt deutlich im ersten Halbjahr 2019

Gestern (22.08.) wurden in den Medien (ARD, ZDF ua.) Verkehrsunfallzahlen des ersten Halbjahres 2019 bzw. Jan.-Mai 2019 veröffentlicht, Quelle ist das Statistische Bundesamt -DeStatis-

Während bei fast allen anderen Verkehrsbeteiligungsarten die Zahl der Getöteten leicht bis deutlich (Motorradfahrer: Von 216 auf 172, Pkw-Insassen: von 560 auf 529, Fußgänger gleichbleibend: 173) gesunken sind, ist bei den Rad-/Pedelecnutzern wiederum ein Anstieg zu verzeichnen:

Jan.-Mai 2017: 133; 2018: 142; 2019: 158.

Mir ist nicht bekannt, ob in Bochum bereits Halbjahreszahlen veröffentlicht wurden, auch kenne ich die Gründe nicht, warum dies bisher nicht geschehen ist. Eventuell ist das Verkehrsunfallgeschehen auf Bochumer Straßen nicht so öffentlichkeitsrelevant.

Soweit mir bekannt, ist in Bochum im ersten Halbjahr kein Mensch bei einem Verkehrsunfall verstorben, das ist sehr positiv. Allerdings sind mehr Menschen verletzt worden: + 4,2 %: 423 (2018: 406). Dies ist vor allem auf den Anstieg bei verunglückten Radfahrer-innen (einschl. Pedelec) zurückzuführen: +20 %, von 80 auf 96 Verunglückte. Oder mit anderen Worten: Mehr als jeder fünfte Verkehrsunfallbeteiligte verletzt sich als Rad- bzw. Pedelecnutzer, exakt beträgt der Anteil 22,7 %. Würden noch die sog. passiven Verkehrsteilnehmer (= Mitfahrer in Pkw, Bussen uä, auf Fahrrädern werden eher selten Mitfahrer verletzt) herausgerechnet, dann würde der Anteil der "Pedalisten" noch deutlicher hervortreten.

Also: Alles in Ordnung in Bochum?

Die Polizei Essen hat bereits  Ende Juli eine, -wie ich meine-, bemerkenswerte Pressenotiz veröffentlicht, die am 29.07. in WAZ-Online wiedergegeben wurde. Ich möchte hier nur ein paar Sätze zitieren:

"Der Radfahrer empfindet die Benutzung der Fahrbahn gemeinsam mit dem Autoverkehr (und dem Lkw-Verkehr, Anm. des Verfassers) oft als zu gefährlich und weicht dann auf den Gehweg aus. Dabei hat er mit seiner Einschätzung nicht einmal Unrecht. Zu hohe Geschwindigkeiten der Autos, zu wenig Seitenabstand, parallel geparkte Autos verhindern, dass der Weg für Radfahrer sicher ist".

Später heißt es noch: "Am geringsten ist das Unfallgeschehen dort, wo Verkehrsarten getrennt voneinander stattfinden, so Wolfgang Packmohr, Leiter der Direktion Verkehr."

Hier in Bochum kenne ich keine aktuellen Statements der Polizei Bochum oder der Stadt Bochum zur Situation der Rad-und Pedelecnutzer. Ich bin aber der Meinung, dass auch hier wesentlich mehr für die Radverkehrsinfrastruktur getan werden muss und auch Präventions- und Repressionskonzepte überdacht bzw. neu konzipiert werden müssen.

Gerade, was die Radverkehrsinfrastruktur in Bochum angeht, muss unverzüglich gehandelt werden! Dies nicht nur, weil Bochum zur 'Arbeitsgemeinschaft der fahrrad- und fußgängerfreudlichen Städte' gehört, und sich vor kurzem ein 'Leitbild Mobilität' gegeben hat, sondern auch, um dem Trend der ständig steigenden Verunglücktenzahlen bei Rad- und Pedelecnutzern entgegenzuwirken.

Daher ist nach meinem Erachten an erster Stelle das sogenannte Hauptverkehrsstraßennetz auf Verkehrssicherheit zu überprüfen. Da, wo Sicherheitsdefizite erkannt werden, ist sofort Abhilfe zu schaffen und nicht erst, wenn die betreffende Straße in vielleicht 5-10 Jahren oder noch später überplant und neu gebaut wird. Sehr oft reichen schon einfache Sofortmaßnahmen, um die Verkehrssicherheit für Radelnde deutlich zu erhöhen.

Dass diese Erkenntniss "nicht nur auf meinem Mist gewachsen" ist, zeigt dieses aktuelle Zitat (SPIEGEL-online v. 22.08.2019): "... der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) verwies jedoch auf nur allzu bekannte Probleme: 'Radfahrer haben vor allem in Städten häufig zu wenig geschützen Raum und werden deshalb dort besonders oft durch Kollisionen mit Pkw und Lkw getötet', erklärt Julia Fohmann, Sprecherin des DVR. Damit Radfahrer sicher ankommen, müssten mehr und vor allem sichere Radverkehrsanlagen gebaut werden".

 Eine (verkehrs-)unfallfreie Zeit wünscht R.Böhm

Aktuelles - rund um die E-Scooter

Natürlich unsere rein subjektive Sichtweise ... die aktuellen Informationen sollen dem Leser zur eigenen Meinungsfindung dienen.

Wir mögen die moderne Entwicklung der Mobilität.... wir mögen aber auch die Sicherheit im Ablauf des modernen Straßenverkehr.... damit ALLE sicher von A nach B kommen.... dafür setzen wir uns unermüdlich, mit unseren Möglichkeiten ein.

Vielen Dank deshalb an unseren Projektleiter Radverkehr - Ralf Böhm - für seine umfassende Ausarbeitung der News.

Guido Jabusch
Geschäftsführer
Verkehrswacht Bochum            < zu den News als PDF bitte hier klicken >


News-Projektleiter Radverkehr Ralf Böhm

Stellungnahme zur Problematik der angesetzten Abstimmung im Bundesrat über die Genehmigungsverordnung für die Nutzung von eKFV (elektrischen Kleinstfahrzeugverordnung).
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Ich werde mich bemühen, Ihnen zeitgerecht eine Antwort zu geben. Erforderlichenfalls werden wir das Anliegen mit den zuständigen Ämtern der Stadt Bochum und/oder der Polizei Bochum erörtern und uns bemühen, mit diesen Ansprechpartnern für die Verkehrssicherheit eine befriedigende Lösung zu erarbeiten.
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Wie beurteilen Bochumer Radfahrer die Infrastruktur der Radwege, die Fortschritte beim Radverkehr und die Möglichkeiten mit dem Fahrrad in Bochum unterwegs zu sein.
Wie könnte die Stadt mit Vereinen, Verbänden etc. zusammenarbeiten, um das Ziel, sicheren, umweltbewussten und behinderungsfreien Radverkehr in Bochum erreichen zu können? 
Eine spannende Studie des ADFC bringt Licht ins Dunkel....

Kommentiert von Ralf Böhm
Ralf.Boehm(at)verkehrswacht-bochum.de

Projektleiter Radverkehr
bei der Verkehrswacht Bochum